Auszeichnungen

Der 2012 von der Rheintaler Kulturstiftung ins Leben gerufene Anerkennungspreis für ausserordentliche Leistungen von Rheintaler Kulturschaffenden, der «Goldiga Törgga» feierte 2021 sein Zehnjähriges. 2019 kam der «kleine Bruder» dazu: der «Grüana Törgga», der Nachwuchspreis, der jedes zweite Jahr an junge Rheintaler Kulturschaffende verliehen wird.

Das Vorgehen hinsichtlich der Auswahl ist bei beiden Preisen gleich. Man kann sich nicht bewerben, es erfolgt keine öffentliche Preisausschreibung. Die Jury präsentiert jährlich die Vorschläge für die Preisträgerinnen und Preisträger des «Goldiga Törgga» bzw. jedes zweite Jahr zusätzlich für die Preisträgerinnen und Preisträger des «Grüana Törgga». Aus diesen Vorschlägen wählt der Stiftungsrat der Rheintaler Kulturstiftung den Preisträger oder die Preisträgerin aus. Die Preissumme des «Goldiga Törgga» liegt bei 15’000 Franken, für den Nachwuchspreis beträgt die Preissumme 5’000 Franken. 

Reglement Rheintaler Kulturpreise

Jury

Präsidentin
Ursula Badrutt, Stiftungsratsmitglied, Amt für Kultur Kanton St.Gallen

Mitglieder

Roger Berhalter, Kulturredaktor, St. Gallen
Hans-Peter Enderli, Stiftungsrat der Rheintaler Kulturstiftung, Altstätten
Joshua Loher, Architekt und Architekturfotograf, Widnau
Claudia Voit, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Lustenau

Kurzfilm zum 10-Jahr Jubiläum

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KulturPreise
Goldiga Törgga & Grüana Törgga 2023

Bild: Thomas Lüchinger & Christa Köppel
Preisträger Thomas Lüchinger und Stiftungsratspräsdientin Christa Köppel (Bild: Willi Keller)
Törgga 2023 – Stimmungsvolle Übergabe der Rheintaler Kulturpreise 2023 an Thomas Lüchinger und Sandro Heule

Das Kinotheater Madlen ist gut gefüllt. Weit mehr Gäste als angemeldet haben es sich am ersten Freitagabend im November in den Kinosesseln bequem gemacht. Alle erwartungsvoll gutgelaunt, und auch das Madlen-Personal lässt sich bis zum Schluss nicht lumpen mit vollem Einsatz, leckeren Häppchen und bester Stimmung. Im Zentrum aber stehen die beiden Preisträger. Und die Grossmutter. 

Sandro Heule, Bassist und Rheintal-Promotor
Der mit 5000 Franken dotierte «Grüana Törgga» macht den Anfang, nachdem Liaison schwungvoll den Abend eröffnet und Christa Köppel Gäste und Protagonisten begrüsst hat. Souverän und mit dem nötigen Glamour und Charme führt die Präsidentin der Rheintaler Kulturstiftung durch den Abend. Sie würdigt mit fundierten Kenntnissen über den Werdegang und die besonderen Qualitäten den 39-jährigen Preisträger Sandro Heule. Er erhält den Rheintaler Kulturpreis für seine ausserordentlichen Leistungen sowohl als junger Musiker und Soundtüftler, als auch als Vernetzer, Organisator und Kurator von neuartigen Veranstaltungsformaten. Der Jazz-Bassist mit Vorlieben für Experimentelles, elektronische Musik und Improvisation spielt Solo und in verschiedenen Formationen wie «Subito Zeitlos», «Chuchchepati Orchestra» oder aktuell mit Josephine Nagorsnik. Der Widnauer bevorzugt Liveauftritte, liebt das Atmosphärische und damit den unwiederbringlichen Moment – eine Gegenposition zum Streaming-Angebot und zur dauernden Verfügbarkeit von Musik. Sein Feuer brennt aber auch als aktiver Fürsprecher und Promotor fürs Rheintal als Kulturraum. So gelingt ihm der «Spagat zwischen Stadt und Land, zwischen lokalem Fokus und Weltverbundenheit», wie es im Urkundentext heisst. Schelmisch und schlagfertig stellt Sandro Heule während seinen Dankesworten fest, dass er bloss ein wenig am Törgga reiben müsse, und er werde golden.

Thomas Lüchinger, feinfühliger Filmemacher, Autor, Lehrer, Zeichner
Das spezielle Engagement für andere verbindet die beiden Preisträger. Gerade weil er nicht Ego sei, weil er sich selber aufgebe, gelinge dem kreativen, feinfühligen, spirituellen, sensiblen und bescheidenen Mensch Thomas Lüchinger, so Laudator Peter Roth, als «Inspirator und Ermutiger», bei eher zurückhaltenden und scheuen Menschen deren Qualitäten herauszukitzeln. Mit der Kamera erzähle er Geschichten von Menschen, die ihrem Ruf gefolgt sind und ihre Hoffnungen und Träume auch gegen grosse Widerstände zum Leben erwecken. Wie eine Ode hört sich die Würdigung von Peter Roth für Thomas Lüchinger an. Sein mehrstrophiges Lobgedicht startet und endet mit Hackbrettklängen, wobei der Ausklang mit dem Toggenburger Alpsegen das Ehrfürchtige noch einmal überhöht. Die Schuhe hat der Musiker, Komponist, Chorleiter, der praktisch nie ins Kino geht, wie er selber gesteht, hinter dem Rednerpult ausgezogen, hat seine persönliche und sehr innige Würdigung für «das Universalgenie» Lüchinger also in Wollsocken gehalten und so auch die Bühne verlassen – geerdet. Wie die vier Musikerinnen der Band «Liaison».

Den «Törgga» der Grossmutter
Geerdet, aber auch sehr gerührt dann die Dankesrede von Thomas Lüchinger – der eigentliche Höhepunkt des Abends: Die vollkommen unerwartete und überraschende Nachricht vom «Goldiga Törgga» habe ihn unmittelbar in seine Jugendjahre in Oberriet zurückversetzt, in die weite Landschaft, die Zeit des Hülschens bei befreundeten Bauern in Montlingen und des Unkraut Jätens in Vaters kleinem Weinberg bei Altstätten. Obwohl er einen Grossteil seines Lebens nicht im Rheintal verbracht habe, seien ihm diese Wurzeln nicht in Vergessenheit geraten und hätten ihn geprägt und zu dem gemacht, was er heute sei. Das Tal und seine Menschen hätten ihn inspiriert – insbesondere die Ankunft der italienischen Gastarbeiter anfangs der 1960-Jahre und das Engagement seiner Grossmutter Rina Büchel-Crescente für die Fremdarbeiter habe seine Sicht auf die Welt erweitert und neue Erfahrungen geschenkt. Erst seine Reisen in die grosse Welt haben seinen Blick auf die Schätze seiner Heimat und Herkunft geschärft. Ihr, der Grossmutter mit den neun Kindern, dem kleinen Laden in Eichenwies und dem grossen Herzen, will er diesen Preis nun widmen, ihrer grossen Menschlichkeit und kulturellen Vermittlung. «Von ihr lernte ich im Fremden das Bereichernde und das Verbindende zu finden».
Der Applaus kommt von Herzen, begleitet von der einen und anderen Träne. So passte dann nichts besser in die «After-Party» als die Untermalung des geselligen Beisammenseins mit Musik aus Italien und der ganzen Welt aus der Plattensammlung von DJ Carlo Lorenzi. Und natürlich auch «To The Moon and Back», der Altstätter Wein, der nicht nur Thomas Lüchinger mundete, da er nichts mehr von der Säure des damals heimlich probierten Weissen nach dem Jäten hat.

Weitere Zeitungsartikel zur Preisverleihung:
rheintal24.ch
seniorweb.ch

rheintaler.ch
Aufzeichnung Preisverleihung von Rheinwelten

Preisträger Sandro Heule und Stiftungsratspräsidentin Christa Köppel (Bild: Willi Keller)